In dem vorliegenden Buch geht es im weitesten Sinne um die Frage nach der Sein- und Sinnhaftigkeit des "Bildes" im Kontext kultureller Bedeutungszusammenhänge. Im engeren Sinne wird ein bisher kaum erforschtes Thema behandelt: die Heiligenbilder der alevitischen Community in Berlin.
Bezugnehmend auf den "iconic turn", der seit den 1990er Jahren einen Paradigmenwechsel in den Sozialwissenschaften hinsichtlich der wissenschaftlichen Bewertung von Bildern heraufbeschwor, werden die sozialen, kulturellen und religiösen Funktionen der alevitischen Heiligenbilder, sowie ihre Produktion als Massenartikel, ihre Verbreitung und Vermarktung untersucht.
Durch die Einbettung der Heiligenbilder in ihren kulturellen Kontext gelingt eine überzeugende Herausarbeitung der unterschiedlichen Bedeutungsebenen der Bilder sowohl für das Individuum als auch für die Community. Dabei wird einerseits die Multifunktionalität der Heiligenbilder beleuchtet, andererseits die Heterogenität der alevitischen Diaspora vor dem Hintergrund miteinander konkurrierender und sich transformierender Identitätskonstrukte vermittelt. Für die Diasporaforschung, die das Thema der Bildlichkeit bisher eher marginal behandelt, birgt die Arbeit innovatives Potential.

Özgür Bingöl, M.A. Ethnologin. Studium der Ethnologie, Kunstgeschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin, mit den Studienschwerpunkten Kunstethnologie, Migrations- und Diasporaforschung.

Özgür Bingöl
Das Bild als kulturelles Medium. Die alevitischen Heiligenbilder in ihrer sozio-kulturellen Bedeutung. Ein kunstethnologischer Beitrag zur "iconic-turn"-Debatte
ISBN 978-3-86573-261-3
119 S. m. farb. Abb. 19,80 EUR. 2007

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