Es liegt eine Aura von Wildwest-Romantik über der Szenerie, die Frederic Remington in seinem berühmten Gemälde "The Hunters' Supper" (1909) festgehalten hat. Wir sehen eine Gruppe von Cowboys an einem Lagerfeuer. Die meisten der Männer wirken in sich versunken, ja niedergeschlagen. Den Hut tief ins Gesicht gezogen, tauschen sie Erfahrungen aus oder schweigen einfach nur. Sie sind Jäger, wie der Titel des Bildes andeutet, aber auch Gejagte - heimgesucht von einer ruhmreichen Vergangenheit, die nicht viel mehr als das entleerte Stereotyp des 'tapferen Cowboys' hinterlassen hat. Entstanden in einer Zeit, als der 'Wilde Westen' bereits der Vergangenheit angehörte, symbolisiert "The Hunters' Supper" einen zentralen Konflikt der amerikanischen Jahrhundertwende: Wie war es angesichts des schleichenden Verlustes von Werten traditioneller Männlichkeit möglich, ebendieses glorreiche Bild wieder ins Leben zu rufen und als Wirkungsprinzip in der kulturellen Praxis zu verankern? Die in "Inszenierte Männlichkeit" behandelten Gegenstandsbereiche aus der Kultur des spätviktorianischen Amerika lassen ein Panorama erkennen, welches uns seltsam bekannt vorkommt: Auch heute scheint sich die Männlichkeit wieder in einer 'Krise' zu befinden, auch heute greift man zu ähnlichen Rezepten, um den Mann (und damit die Nation) aus der Apathie zu befreien. Dieses Buch kann mit seinem umfangreichen Index- und Bibliographieapparat gleichzeitig als Nachschlage- und Einführungswerk zur modernen Männlichkeitsforschung ("Men's Studies") genutzt werden.

Stefan L. Brandt
Inszenierte Männlichkeit. Körperkult und 'Krise der Maskulinität' im Spätviktorianischen Amerika
ISBN 978-3-86573-268-2
386 S. 46,00 EUR. 2007

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