Auch Theorien, die - wie die Psychoanalyse, die Kritik der politischen Ökonomie oder die Diskursanalyse Foucaults - einmal als Kritik der herrschenden Vernunft angetreten waren, erliegen tendenziell deren verdinglichender Gewalt und werden im Zuge ihrer Einbürgerung in den Kanon der traditionellen Theorien und des gesellschaftlich gültigen Wissens entweder ihres Stachels beraubt und zu Mitteln der moralischen Aufrüstung genau der Praxisformen, denen einmal ihre Kritik galt, oder sie verfallen schlicht dem Verdikt des Veralteten, wenn nicht a priori Unwissenschaftlichen, während die defizienten gesellschaftlichen Verhältnisse (die dem Alltagsbewußtsein wie der traditionellen Wissenschaft entweder als reine Naturverhältnisse oder - trotz ihres unpersönlichen, verdinglichten Charakters - als ethisch reglementierbar erscheinen), wie die in ihnen angelegten bewußtlosen Zwänge und Formanten des Denkens gleichzeitig der Reflexion entzogen werden.

Frank Buhren
Die Erosion der Kritik. Freud, Marx, Foucault in der modernen Diskursformation
ISBN 978-3-86573-245-3
158 S. 21,- EUR. 2007

Inhaltsverzeichnis (PDF)

Einleitung ..... 9

I. Vernunftprojekt Moderne? ..... 13

II. Was ist Kritik? ..... 25

III. Die Subversion des Wissens ..... 41

1. Freud: Kultur und Neurose
2. Marx: Freiheit, Gleichheit, Mehrwert
3. Foucault: Macht und Wissen
4. Grenzrevisionen

IV. Die Erosion der Kritik ..... 83
1. Positivismus und Transzendentalphilosophie
2. Neukantianismus
3. Konfliktfreie Anpassung
4. Orthodoxie und Revisionismus
5. Sprachmetaphysik und Moralkritik

V. Gesellschaftskritik und Moralphilosophie ..... 137

Literatur ..... 147