Kritik der gesellschaftlichen Pseudonatur setzt keinen kontrafaktischen Vernunftbegriff oder die Konstruktion eines unbedingten moralischen Sollens voraus, an dem die gesellschaftlichen Verhältnisse gemessen würden, sondern eine von der denkenden Konfrontation von Begriff und Sache ausgelöste Selbstkritik der Erkenntnis, die zwingend zur Kritik an der Gesellschaft führt, sofern die Widersprüche und blinden Flecken der gesellschaftlich gültigen, standardisierten Wissensformen ihren Ursprung erkennbar in ihr haben und nicht schlicht subjektivem Irrtum entspringen. Diese unhintergehbare Einheit von Erkenntnis- und Gesellschaftskritik ist konstitutiv sowohl für die klassische Gestalt der kritischen Theorie der Gesellschaft - die Kritik der politischen Ökonomie von Marx - wie für die dialektische Theorie der Gesellschaft von Horkheimer oder Adorno und bildet das einigende Band zwischen der kritischen Theorie des 19. und der des 20. Jahrhunderts.

Frank Buhren
Stationen kritischer Theorie. Marx - Horkheimer - Adorno
ISBN 978-3-86573-417-4
164 S. 22,80 EUR. 2008

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