Nach dem Sturz Napoleons war das bourbonische Königshaus mit einem politisch und mental gespaltenen Land konfrontiert, in dem sich die Ideen von Monarchie und Nation antagonistisch gegenüberstanden. Die erinnerungspolitische Strategie des restaurierten Königshauses bemühte sich, dieser Spaltung entgegenzuwirken und die streitenden Parteien zu versöhnen. Auch der royalistische Erinnerungskult um die königlichen Opfer der Französischen Revolution sollte diesem Ziel gerecht werden.
Die Autorin erläutert am Beispiel royalistischer Opferdenkmäler der Restauration, inwiefern diese Politik der Versöhnung scheitern mußte. In ausführlichen Einzelanalysen werden die ikonographischen und gestalterischen Besonderheiten der Sühnemonumente dargelegt und in den gesellschaftspolitischen und kulturhistorischen Kontext eingebettet. Dabei wird deutlich, daß sich die erinnerungspolitische Problematik der Restaurationsepoche, die sich als Krise des kollektiven Gedächtnisses umschreiben läßt, auch unmittelbar im Denkmalbau manifestierte.

Anja Butenschön
Topographie der Erinnerung. Die Sühnemonumente der französischen Restauration 1814-1830
ISBN 978-3-86573-480-8
417 S. 49,80 EUR. 2009 (Diss.)

Inhaltsverzeichnis (PDF)