Am 20.11.1975 starb der spanische Diktator Francisco Franco. Der darauf folgende Übergang zur Demokratie, die "transición", war erfolgreich und relativ friedlich zugleich und von Ausgleich und Konsens getragen. Doch die Eliten der Diktatur und die Opposition verständigten sich auch darauf, die konfliktbeladene Vergangenheit, den Bürgerkrieg (1936-39) und die Franco-Diktatur, zu 'vergessen'. Seit der Jahrtausendwende wird dieser 'Schweigepakt' zunehmend gebrochen. Der vorliegende Band enthält eine Untersuchung der linken Erinnerungskultur "recuperación de la memoria histórica", welche "die historische Erinnerung wiederherstellen will".
Die geschichtswissenschaftliche Studie basiert auf Oral History-Interviews und intensivem Quellenstudium. Anhand ausgewählter Vereinigungen aus der Region Valencia stellt der Freiburger Historiker Alexandre Froidevaux beispielhaft die Besonderheiten dieser zivilgesellschaftlichen Strömung, ihre Arbeitsfelder, Themen und Ziele sowie die Motivationen der Aktivistinnen und Aktivisten vor. Ausgehend von diesen Beschreibungen nimmt er die aktuelle erinnerungspolitische Debatte in Spanien genauer unter die Lupe. Er diskutiert, warum die "recuperación de la memoria histórica" erst in den letzten Jahren entstanden ist und zeigt, wie die Rechte und die sozialistische Regierung auf die neue erinnerungspolitische Herausforderung reagieren.

Alexandre Froidevaux
Erinnerungskultur 'von unten' in Spanien. Eine Oral History-Untersuchung der "recuperación de la memoria histórica" in Valencia (2000-2005)
ISBN 978-3-86573-328-3
172 S. 15,00 EUR. 2007

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