"Thomas Bernhard ist zur Kunstfigur geworden, und sein Werk lässt sich nicht mehr ablösen von der Wirkung, die es gehabt hat", konstatierte der Bernhard-Forscher Wendelin Schmidt-Dengler und beschrieb damit ein wesentliches Merkmal der Kunst des lange ambivalent diskutierten und heute zum Staatsdichter gewordenen österreichischen Autors.
Clemens Götze geht dieser Diagnose nach und zeichnet mit dem vorliegenden Band ein umfängliches Bild von Thomas Bernhards Autorschaft und Inszenierung, das in allen Werkfacetten des Œuvres zu erkennen ist. Der Band macht deutlich, dass die Neuentdeckung von Thomas Bernhards Literatur abseits gängiger Lesarten möglich ist und diskutiert dabei eine Vielfalt an Bernhard-Texten.
Zwischen künstlerischer Raffinesse und praktikabler Vermarktungsstrategie changieren Bernhards Interviews, Leserbriefe und Feuilletons, die hier neben Prosa und Dramenwerken des Autors Berücksichtigung finden und bilden damit Bernhards selten erreichte Virtuosität seines Spektrums von öffentlicher Selbstdarstellung und Medieninszenierung der Autorfigur im 20. Jahrhundert ab. Neben dem Image des Verweigerungskünstlers und vermeintlichen Skandalautors zeigt Clemens Götze dabei ein vielschichtiges, ambivalentes und hochsensibles Bild eines der wohl wichtigsten österreichischen Autoren, dessen Wirkung und Strahlkraft auch mehr als 25 Jahre nach seinem Tod unvermindert anhält.

Clemens Götze
"Ein Autor ist etwas ganz und gar lächerliches und erbärmliches …". Autorschaft und mediale Inszenierung im Werk Thomas Bernhards
ISBN 978-3-86573-906-3
247 S. 42,00 EUR. 2016

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