Zu den Möglichkeiten und Grenzen gewerkschaftlicher Partizipation in den Betrieben der DDR gibt es unterschiedliche Standpunkte. Die einen verweisen darauf, dass nach dem Arbeitsgesetzbuch der DDR die Mitbestimmung der Gewerkschaftsleitungen viel stärker ausgeprägt gewesen sei als nach dem Betriebsverfassungsgesetz der BRD. Die anderen behaupten, die Mitbestimmung habe lediglich auf dem Papier gestanden, die Gewerkschaften des FDGB hätten zu allem Ja gesagt, was von "oben" kam. Mit der vorliegenden Arbeit hat die Autorin den Versuch unternommen, den faktischen Einfluss der betrieblichen Gewerkschaftsleitungen im Rahmen der zentralen Gesetzgebung im Arbeitsrecht der DDR zu erarbeiten. Dabei stehen nicht die Individualrechte der Beschäftigten im Mittelpunkt der Analyse, sondern es werden einerseits die rechtlich gegebenen, andererseits die faktisch ausgeübten kollektiven Beteiligungsrechte untersucht. Mit Hilfe des empirischen Datenmaterials kann eine Antwort auf die Frage gegeben werden, inwieweit unter den Bedingungen eines administrativ-zentralistischen Leitungs- und Planungssystems gewerkschaftliche Mitwirkung und Mitbestimmung möglich war.

Petra Junghans
Mitwirkung und Mitbestimmung der Betriebsgewerkschaftsleitung in den Betrieben der DDR. Eine empirische Untersuchung in Ost-Berliner Industriebetrieben
ISBN 10: 3-936846-78-2
ISBN 13: 978-3-936846-78-2
250 S. 28 EUR. 2004 (Diss.)


Verzeichnis der Abbildungen
Verzeichnis der Tabellen
Liste der Abkürzungen

Einleitung . . . . . 13

I. Theoretischer Teil: Mitbestimmung in der DDR . . . . . 15

1. Zur bisherigen Mitbestimmungsforschung
1.1 Überblick über den Forschungsstand in der DDR und der BRD (bis 1989)
1.1.1 DDR-Forschung
1.1.2 BRD-Forschung
1.1.3 Der Forschungsstand nach der "Wende" in der DDR
1.1.4 Offene Forschungsfragen aufgrund der vorliegenden Literatur
2. Betriebliche Mitbestimmungsansätze im "Realsozialismus" der DDR
2.1 Der Partizipationsgedanke in der Ideologie und Politik der SED
2.1.1 Die Forderung nach Beteiligung im Rahmen des demokratischen Zentralismus
2.2. Gesetzliche Grundlagen - Zur Effizienz des DDR-Arbeitsrechts
2.2.1. Die Gewerkschaften in den Betrieben der DDR - die Struktur der Betriebsgewerkschaftsorganisation
2.2.2 Formen und Inhalte der Mitwirkung und Mitbestimmung der betrieblichen Gewerkschaftsleitungen
2.2.2.1 Die Arbeitszeitgestaltung
2.2.2.2 Die Urlaubsregelung
2.2.2.3 Die betriebliche Sozialpolitik
2.2.2.4 Die Aus- und Weiterbildung
2.2.2.5 Die Lohn- und Prämiengestaltung
2.2.2.6 Der Gesundheits- und Arbeitsschutz
2.2.2.7 Der Abschluss, die Änderung und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen
2.2.2.8 Die Plandiskussion
2.2.2.9 Der sozialistische Wettbewerb

II. Empirischer Teil . . . . . 131
1. Methodische Durchführung und Anlage der Untersuchung zur Mitbestimmungspraxis in den Unternehmen der DDR
1.1 Die schriftliche Befragung - Hauptmethode der Datenerhebung
1.1.1 Fragebogenkonzept und Zielstellung
1.1.2 Bestimmung der Grundgesamtheit und Stichprobenziehung
1.1.3 Zusammensetzung und Ausschöpfung der Stichprobe
1.2 Fragen zur Repräsentativität der Ergebnisse
1.3 Methodenkritische Anmerkungen
2. Ergebnisanalyse der Arbeitnehmerbefragung
2.1 Demographische und soziale Charakteristika der untersuchten Stichprobe
2.2 Mitwirkung und Mitbestimmung der Betriebsgewerkschaftsleitung - Überblick über die Befragungsergebnisse
2.2.1 Allgemeine Bewertung der gewerkschaftlichen Interessenvertretung
2.2.2 Mitwirkung und Mitbestimmung der Betriebsgewerkschaftsleitungen in sozialen Fragen
2.2.2.1 Der Einfluss der Betriebsgewerkschaftsleitungen auf die Vergabe von Ferienplätzen
2.2.2.2 Die Unterstützung der Betriebsangehörigen mit Kindereinrichtungen
2.2.2.3 Die Vergabe von Kinderferienplätzen
2.2.2.4 Die Unterstützung der Beschäftigten mit Wohnraum
2.2.3 Mitwirkung und Mitbestimmung der Betriebsgewerkschaftsleitungen bei der Gestaltung von Lohn- und Gehaltsfragen
2.2.3.1 Die Festlegung von Lohn- und Gehaltsgruppen
2.2.3.2 Die Gewährung von Erschwerniszuschlägen
2.2.3.3 Die Vergabe von Prämien
2.2.4 Mitwirkung und Mitbestimmung der Betriebsgewerkschaftsleitungen bei der Gewährleistung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes
2.2.5 Mitwirkung und Mitbestimmung der Betriebsgewerkschaftsleitungen bei Kündigungen und Entlassungen
2.2.6 Mitwirkung und Mitbestimmung der Betriebsgewerkschaftsleitungen bei der Erarbeitung des Betriebsplanes
3. Stärken und Schwächen der gewerkschaftlichen Interessenvertretung in den Industriebetrieben Ost-Berlins - abschließende Betrachtung der Ergebnisse

Literaturverzeichnis . . . . . 217

Anlage: Fragebogen . . . . . 235

Index . . . . . 249