"Was bist du jetzo, Ich?" heißt es in Jean Pauls Roman "Siebenkäs" von 1796/97. Diese Frage hat sich zu einem zentralen Problem des Selbstverständnisses in der Moderne entwickelt: Ich, das bedeutet Individuation und Erkenntnis, die sich durch Selbstreflexion und Abgrenzung vollziehen. Ich, das ist grammatisch wie semantisch das Ergebnis eines Bewusstwerdens von Unterschieden und Vielfalt - zugleich aber auch davon, Teil einer sprachlichen und existenziellen Ganzheit zu sein: Wir begründen ein "Ich" und vermögen es einem fremden Ich mitzuteilen. Was aber ist das, was sich "Ich" zu nennen vermag - und warum wird das "Ich" in Jean Pauls Frage in der zweiten Person angesprochen? Welche Beziehung hat das "Ich" zum "Du"? Und: Gibt es ein "Wir"?
Der Band bildet exemplarisch den kulturgeschichtlichen Weg von der Bibel über Fichte bis in die Gegenwart ab und zeichnet zugleich ein paradigmatisches Thema der Literatur der Moderne nach. In 13 Beiträgen wird aufgezeigt, in welchen Be- und Entgegnungen das Ich immer wieder reflektiert, verteidigt oder neu entworfen worden ist - und wird.

Sascha Löwenstein/Thomas Maier (Hrsg.)
Was bist du jetzo, Ich? Erzählungen vom Selbst
ISBN 978-3-86573-462-4
286 S. 29,80 EUR. 2009

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