Hat Johann Sebastian Bach bei der Aufführung seiner Kantaten wirklich nur Knabenstimmen eingesetzt? Hörte sich Bachs Chor so an wie ein heutiger Knabenchor, oder ist Bachs Klang durch biologische Entwicklungen verlorengegangen? Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen nicht nur unsere Vorstellung von Bachs Intentionen, sondern auch den Klang heutiger Aufführungen. Dabei wird für alle drei Möglichkeiten, mit denen die hohen Stimmen heutzutage besetzt werden können (Frauen, Männer und Knaben) mit Angaben zum Stimmwechsel im 18. Jahrhundert argumentiert. Die biologische bzw. historische Frage, wann die Mutation im 18. Jahrhundert eintrat, ist damit zu einer musikwissenschaftlichen Frage geworden.
Ann-Christine Mecke betrachtet die komplexen Zusammenhänge zwischen biologischen Voraussetzungen, historischer Musizierpraxis und akustischen Idealen und zeigt, dass unsere vertrauten Vorstellungen von Jungen und Mädchen, Pubertät und Stimmbruch, Knaben und Männern oft mehr auf Ideologien beruhen als auf gesicherten Erkenntnissen.

Ann-Christine Mecke
Mutantenstadl. Der Stimmwechsel und die deutsche Chorpraxis im 18. und 19. Jahrhundert
ISBN 978-3-86573-289-7
352 S. 43,00 EUR. 2007 (Diss.)

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