Nach 1918 kam es in Deutschland erstmals zu Fusionen kreisfreier Städte. Diese neuen Großkommunen wurden durch die SPD-geführte Landesregierung Preußens systematisch gefördert und auch gegen lokale Widerstände durchgesetzt. Verschmelzungen räumlich und wirtschaftlich verwachsener Städte erfolgten aber nicht als Eingemeindungen, sondern in Form von Zusammenschlüssen. So sollte Gleichberechtigung in der neuen Gesamtstadt suggeriert werden. Es gelang aber erst in der nationalsozialistischen Diktatur, auch Städtevereinigungen über Ländergrenzen hinweg durchzuführen.
Der Autor untersucht, wie und mit welchen Absichten einzelne Zusammenschlüsse in Demokratie und Diktatur erfolgten und wie nach der Vereinigung ein Gemeinschaftsbewusstsein erzeugt werden sollte. Einen Schwerpunkt bildet auch die Frage nach Einflussmöglichkeiten vom Zusammenschluss bedrohter Städte. War es vorteilhaft, sich in das Schicksal der Vernunftehe mit einer benachbarten Kommune zu fügen? Oder zahlte sich Widerstand bis zur letzten Konsequenz, der staatlich verfügten Zwangsheirat, in Form von Konzessionen aus?

Jens Menge
Vernunftehe oder Zwangsheirat? Zusammenschlüsse kreisfreier Städte in Demokratie und Diktatur. Eine vergleichende Untersuchung für den Zeitraum 1919 bis 1939 im Deutschen Reich
ISBN 978-3-86573-399-3
438 S. 49,90 EUR. 2008 (Diss.)

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