Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Lage der Roma in Ungarn und Rumänien trotz politischer Partizipationsmöglichkeiten, staatlicher Inklusionsprogramme und unzähliger Projekte verschiedenster NGOs nicht wesentlich gebessert. Eine zentrale Rolle spielten dabei die Roma-Eliten, die sich als Vertreter ihrer Ethnie verstehen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die Konfiguration der Roma-Eliten und die Frage, ob diese Akteure tatsächlich in der Lage sind, die Probleme dieser Ethnie zu lösen. Durch den Vergleich der Entwicklungen der Roma in Ungarn und Rumänien im Verlauf ihrer Geschichte und den Etablierungsmöglichkeiten ihrer Eliten zeigt Jens-Peter Müller ein realistisches Bild dieser Minderheit. Seine Forschung verdeutlicht, dass die traditionellen wie die modernen Vertreter vorwiegend um Privilegien, sozialen Status, staatliche Positionen, gut dotierte Posten und Projektmittel ausländischer Geldgeber konkurrieren. Die Folge dieses Verhaltens ist für die Roma verheerend, da sie von ihren Eliten benutzt werden, um deren eigene oder die Interessen ihrer Netzwerke durchzusetzen. Dies führte dazu, dass sich für die Eliten in den letzten Jahren ein lukrativer Ethnobusiness-Bereich entwickelte, der Großteil der Roma allerdings in seiner marginalen Position verharrte.

Jens-Peter Müller
Könige, Menschenrechtsaktivisten, Politiker - Die Roma und ihre Eliten. Ein ungarisch-rumänischer Vergleich
ISBN 978-3-86573-988-9
395 S. 59,00 EUR. 2017 (Diss.)

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