Gibt es in europäischen Gesellschaften landestypische Merkmale, welche Einfluss auf das politische Handeln an den gesellschaftlichen Rändern nehmen? Können mit "Historischer Verantwortung" und "Gedoogbeleid" (Duldungspolitik) zwei gesellschaftlich verwurzelte und emotional besetzte Schlagworte als bestimmende Elemente der politischen Kultur ihres Landes definiert werden?
Die vorliegende Studie nimmt den Zusammenhang von politischer Kultur und dem vielerorts erstarkten Phänomen des Rechtspopulismus an den Beispielen von Deutschland und den Niederlanden in den Blick. Während rechter Populismus in Deutschland aus historischen Gründen bis zum heutigen Tag eine Randerscheinung ohne nennenswerten Einfluss blieb, entwickelten sich in den Niederlanden trotz der dortigen Tradition von Toleranz und Duldung rechtspopulistische Akteure und Argumentationsmuster zu einer einflussreichen politischen Kraft. "Historische Verantwortung" wie auch "Gedogen" durchdringen im jeweiligen Land nahezu alle gesellschaftlichen Diskurse und wirken sich dabei sowohl begünstigend als auch hemmend auf den Erfolg rechtspopulistischer Erscheinungsformen aus. Die Untersuchung stellt die Verbindung her zwischen der politischen Kulturforschung und einem Phänomenbereich, der auch europapolitisch zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zudem eröffnet sie eine neue Perspektive auf rechten Populismus als gesamteuropäisches Krisenphänomen.

Kristoffer Neite
Historische Verantwortung und Gedoogbeleid. Zum Einfluss politischer Kultur auf rechtspopulistische Erscheinungsformen in Deutschland und den Niederlanden
ISBN 978-3-86573-917-9
135 S. 24,00 EUR. 2016

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