Im November 1955 begann die Bundesrepublik mit der Aufstellung von Streitkräften. Von Anfang an wurde neben der quantitativen Aufstellung die Frage diskutiert, wie mit der NS-Zeit umgegangen werden solle. Bereits früh hatte sich gezeigt, dass der Aufbau nur mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten möglich war. Gerade das Führungspersonal der Wehrmacht stellte immer wieder einen Streitpunkt mit der misstrauischen Öffentlichkeit dar.
Der Verfasser zeigt anhand der seit 1956 erscheinenden Zeitschriften des Verteidigungsministeriums, dass der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der Bundeswehr zunächst unkritisch verlief und dass, solange es um die Wehrmacht und deren Soldaten ging, Geschichte mit Tradition gleichgesetzt wurde. Er macht aber auch deutlich, dass die zunächst selbstverständliche Anknüpfung an die Wehrmacht allmählich einer differenzierteren Betrachtung wich, weil sich die Streitkräfte einem kritischeren zeitgeschichtlichen Bewusstsein und veränderten politischen Rahmenbedingungen nicht länger verschließen konnten.

Stefan Rosenträger
Die NS-Zeit im Geschichts- und Traditionsverständnis der Bundeswehr. Eine Auswertung ihrer periodischen Veröffentlichungen (1955-1972)
ISBN 978-3-86573-883-7
315 S. 46,80 EUR. 2015 (Diss.)

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