Pablo Neruda war einer der bekanntesten und bedeutendsten Dichter und Intellektuellen Lateinamerikas. Die Verzahnung von Poesie und Politik ist in seinem Werk unübersehbar, sein Engagement für die kommunistische Bewegung, wenngleich erst spät als Mitglied der KP Chiles, war den Erfahrungen geschuldet, die er als Konsul seines Landes während des Spanischen Bürgerkriegs und als international geachteter Poet im Kampf gegen den Faschismus und für die Freiheit der Kultur machte.
Die vorliegende überarbeitete und ergänzte Biographie Nerudas legt einen Schwerpunkt auf sein zutiefst gespaltenes Verhältnis zu Deutschland. Vor allem im Spanischen Bürgerkrieg und dann in der Auseinandersetzung mit dem "Dritten Reich" nahm er politisch Stellung. In der Nachkriegszeit führte dies dazu, dass die DDR für ihn das "bessere Deutschland" war. Am Ende seines Lebens, bereits schwer erkrankt, entfernte er sich zunehmend vom Dogmatismus der kommunistischen Welt. Er unterstützte die Präsidentschaftskandidatur Salvador Allendes und suchte - jetzt als Botschafter Chiles in Paris - die Hilfe des Bundeskanzlers Willy Brandt, der wie Neruda 1971 mit dem Nobelpreis geehrt worden war, um die Auslandsschulden Chiles zu reduzieren. Das Begräbnis Nerudas, wenige Wochen nach dem blutigen Militärputsch in Chile 1973, wurde zur ersten Demonstration gegen eine Diktatur, die bis zum Ende der 80er Jahre Bestand hatte. In den letzten Jahren wurde der Verdacht laut, die Militärjunta hätte Neruda ermorden lassen. Dem wurde nachgegangen und die Leiche schließlich exhumiert, die Ergebnisse der folgenden gerichtsmedizinischen Untersuchungen werden hier vorgetragen.

David Schidlowsky
Pablo Neruda. Leben und Tod eines Dichters
ISBN 978-3-86573-784-7
159 S. 24,00 EUR. 2014

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