Nach übereinstimmenden Ergebnissen mehrerer Repräsentativerhebungen der letzten Jahre ist in Deutschland ca. ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in irgendeiner Form ehrenamtlich aktiv. Ein beinahe ebenso großer Bevölkerungsteil kann sich vorstellen, eine freiwillige Tätigkeit zu übernehmen bzw. ein bestehendes Engagement auszuweiten. Was bewegt Menschen in einer oft als schnelllebig und rücksichtslos gekennzeichneten Gesellschaft dazu, sich unentgeltlich, dauerhaft und manchmal auch zeitintensiv für eine "gute Sache" zur Verfügung zu stellen - ohne Aussicht auf direkte Rückerstattungen für die eigene Person, oft auch ohne Erfolgsgarantie für die eigentlichen Nutznießer der Tätigkeit? Und von welchen personen- und tätigkeitsbezogenen Merkmalen sind unterschiedliche Engagementmotive abhängig? Der Autor untersucht diese Fragen anhand dreier Ehrenamtsbereiche.
Im Hinblick auf den Engagementumfang zeigt sich dabei ein überraschendes Ergebnis: Klassisch altruistische Motive führen zwar oft zu einer Vielzahl meist kleinerer Ehrenämter, jedoch nicht unbedingt zu einem zeitintensiven Engagement.

Peter Schüll
Motive Ehrenamtlicher. Eine soziologische Studie zum freiwilligen Engagement in ausgewählten Ehrenamtsbereichen
ISBN 10: 3-86573-022-1
ISBN 13: 978-3-86573-022-0
357 S. 40 EUR. 2004 (Diss.)


Tabellen und Abbildungen . . . . . 9

Vorwort . . . . . 11

1 Einleitung: Freiwilligenarbeit im Kontext der Zivilgesellschafts- und Individualisierungsdebatte . . . . . 13

1.1 Die zivilgesellschaftliche Wende des deutschen Ehrenamtsdiskurses
1.2 Die neuere Individualisierungsthese in ihrer optimistischen Lesart
1.3 Zur Anlage der Studie

2 "Ehrenamt" - "Freiwilligenarbeit" - "bürgerschaftliches Engagement": Definitorische Pfade zu einem vieldimensionalen Begriff . . . . . 33
2.1 Die mehrdimensionale Struktur des Ehrenamtes
2.1.1 Dimension 1: Unbezahlte Tätigkeit vs. bezahlte Arbeit
2.1.2 Dimension 2: Einmaliges vs. dauerhaftes Engagement
2.1.3 Dimension 3: Hoher vs. geringer zeitlicher Aufwand
2.1.4 Dimension 4: Passive, fördernde Mitgliedschaft vs. aktives, zeitinvestierendes Engagement
2.1.5 Dimension 5: Freiwillig übernommenes vs. auferlegtes Ehrenamt
2.1.6 Dimension 6: Freitätiges Engagement vs. Tätigkeit innerhalb von Organisationen
2.1.7 Dimension 7: Freie Mitarbeit ohne formalen Beauftragungsakt vs. "Mandat" durch formale Legitimation
2.1.8 Dimension 8: Voraussetzungslose Laienarbeit vs. formal qualifizierte professionelle Tätigkeit
2.1.9 Dimension 9: Personenbezogene vs. sach- oder themenbezogene Tätigkeit
2.1.10 Dimension 10: Reine Selbsthilfe vs. reine Fremdhilfe
2.1.11 Dimension 11: Egoistisch-selbstbezügliche vs. Altruistisch-fremdbezügliche Motivorientierung
2.1.12 Dimension 12: Einsatz im sozialen Nahbereich vs. Einsatz für anonymen oder nicht genau bestimmbaren Personenkreis
2.1.13 Zusammenfassung der dimensionalen Strukturanalyse des Phänomenfeldes "Ehrenamt"
2.2 Begriffliche Alternativen: Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, bürgerschaftliches Engagement, Laienarbeit
Exkurs: Ehrenamt als Arbeit
2.3 Binnendifferenzierungen - mit terminologischen Konsequenzen?
2.3.1 Segmentäre Gliederung nach gesellschaftlichen Großbereichen
2.3.2 "Soziales" vs. "politisches" Ehrenamt, "Basisarbeit" vs. "Ehren-Amt"

3 Das Ehrenamt in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion . . . . . 73
3.1 Die Debatte um das "Neue Ehrenamt"
3.2 Der liberal-individualistische Diskurs über das Ehrenamt
3.3 Der kommunitaristisch-republikanische Diskurs über das Ehrenamt
3.4 Der sozialpolitische Diskurs: Das Ehrenamt im Gesamtgefüge des gesellschaftlichen Bedarfsausgleichs

4 Freiwilliges Engagement und Engagementmotive: Ein theoretischer Analyserahmen . . . . . 103
4.1 Theoretische Modelle zur mikrosoziologischen Erforschung ehrenamtlichen Engagements
4.2 Motive und Motivation: Psychologische Grundlagen
4.3 Helfendes Handeln und ehrenamtliches Engagement: Ein Vergleich
4.4 Motive spontanen Helfens und Beweggründe ehrenamtlichen Engagements
4.4.1 Einmaliges Hilfehandeln als sequentieller Entscheidungs- und Willensbildungsprozeß
4.4.2 Ehrenamtliches Engagement als sequentieller Entscheidungs- und Willensbildungsprozeß

5 Die empirische Erhebung . . . . . 153
5.1 Theoriegeleitete Auswahl der befragten Gruppen von Ehrenamtlichen
5.2 Durchführung der Befragung
5.3 Aufbau des Fragebogens
5.4 Organisationen und Tätigkeitsfelder: Beschreibung der Einsatzgebiete im Hauptehrenamt
5.4.1 Die Bayreuther Kreisgruppe des Bundes Naturschutz in Bayern
5.4.2 Das Frauenhaus Bayreuth
5.4.3 Die Motorradstreifen der BRK-Bereitschaften
5.5 Die Freiwilligen: Beschreibung der Stichprobe
5.6 Die Freiwilligen und ihre Engagements: Tätigkeitsintensität und -dauer im Hauptehrenamt, weitere Ehrenämter
5.7 Rahmenbedingungen des Hauptehrenamtes im Urteil der Befragten

6 Skalenbildungen und Skalenanalysen . . . . . 195
6.1 Die Motivskala
6.1.1 Zur Konstruktion der Motivskala
6.1.2 Motive der befragten Ehrenamtlichen: Eine erste deskriptive Annäherung
6.1.3 Analyse der Motivskala
6.1.4 Eigenschaften der ermittelten Motivfaktoren (Motivsubskalen)
6.2 Die Werteskala
6.2.1 Zur Konstruktion der Werteskala
6.2.2 Werthaltungen der befragten Ehrenamtlichen: Eine erste deskriptive Annäherung
6.2.3 Analyse der Werteskala
6.2.4 Interpretation und Eigenschaften der ermittelten Wertefaktoren (Wertesubskalen)
6.3 Weitere Skalenbildungen und -analysen
6.3.1 Der Index "Bildung"
6.3.2 Der Index "Sozialer Status"
6.3.3 Der Index "Religiosität"
6.3.4 Der Index "Autonomie"

7 Bedingungsfaktoren der Tätigkeitsmotive . . . . . 233
7.1 Akteursbezogene Bedingungsfaktoren der Engagementmotive
7.1.1 Soziodemographische Merkmale und Engagementmotive
7.1.2 Religiosität und Engagementmotive
7.1.3 Wertorientierungen und Engagementmotive
7.1.4 Freiwilligenkarriere und Engagementmotive
7.2 Kontextbezogene Bedingungsfaktoren der Engagementmotive
7.2.1 Organisationsbezug und Engagementmotive
7.2.2 Einsatzfeld und Engagementmotive
7.2.3 Rahmenbedingungen der Tätigkeit und Engagementmotive
7.3 Prädiktoren der Motivlagen in umfassenden Analysemodellen

8 Bedingungsfaktoren des Umfangs ehrenamtlicher Arbeit . . . . . 275
8.1 Bivariate Korrelationen des Engagementumfangs
8.1.1 Personenbezogene Merkmale und Engagementumfang
Methodologischer Exkurs
8.1.2 Freiwilligenkarrierebezogene Merkmale und Engagementumfang
8.1.3 Tätigkeitsfeldbezogene Merkmale und Engagementumfang
8.2 Prädiktoren des Engagementumfangs

9 Politisch motiviertes Engagement? . . . . . 301
9.1 Freiwilliges Engagement und Engagementmotive: Eine Zusammenfassung
9.2 Die normativ-politische Aufladung des deutschen Ehrenamtsdiskurses und ihr fehlendes empirisches Fundament
9.2.1 Politische Motive in den untersuchten Tätigkeitsbereichen
9.2.2 Politische Motive unter Ehrenamtlichen in Deutschland

10 Literatur . . . . . 321

Anhang . . . . . 343

Fragebogen . . . . . 344