Den Ausgangspunkt dieses Buches bildet die Darstellung der Hellfelddaten in Deutschland und Russland. Im Gegensatz zu Befragungsdaten stellen offizielle Kriminalstatistiken ein eingeschränktes Abbild der Kriminalität dar, das durch viel stärkere Selektionsprozesse als bei den Surveys geprägt ist. Deshalb können mit den Hellfelddaten nur ganz bestimmte Fragestellungen zur Kriminalität beantwortet werden. Für einen internationalen Vergleich sind diese eher ungeeignet.
Deshalb widmet sich ein großer Teil dieses Buches jedoch einem Vergleich der Dunkelfelddaten zur selbstberichteten Delinquenz Jugendlicher in Deutschland und Russland. Diese Daten stammen aus einer Studie, die mit Schülern der 9. Klassenstufe in vier deutschen Städten - Hamburg, Hannover, Leipzig und München - und der russischen Stadt Wolgograd realisiert wurde. Das Ziel der hier dargestellten Studie war es, potenzielle Erklärungsfaktoren des delinquenten Verhaltens Jugendlicher zu identifizieren. Zu den so genannten Hauptfaktoren gehören Gewaltbefürwortung, Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen und Selbstkontrolle der Jugendlichen. Außerdem wurden die Effekte von Faktoren der sozioökonomischen Lage, der Schulform oder der elterlichen Erziehungsstile untersucht. Den theoretischen Hintergrund dieser Studie bilden die Anomietheorie von Durkheim (1897), das Konzept der Kultur der Ehre von Nisbett und Cohen (1996) und die Selbstkontrolltheorie von Gottfredson und Hirschi (1990).

Olga Siegmunt
Kriminelle Russen, kriminelle Deutsche. Zur Jugendkriminalität im Hell- und Dunkelfeld
ISBN 978-3-86573-730-4
181 S. 26,80 EUR. 2013

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