Die Plünderungen von Kulturgütern in Peking 1900/1901 werden in zahlreichen Schriften zum Boxeraufstand und seiner Niederschlagung nur am Rande behandelt. Die vorliegende Untersuchung widmet sich ausführlich den Fragen, wie diese Plünderungen en détail stattfanden, was und wo gestohlen wurde und welche Ausmaße der Kulturgüterraub erreichte.
Die Ereignisse in der chinesischen Hauptstadt 1900 werden nicht nur nach Orten und Gebäudeanlagen sortiert beschrieben, wobei zahlreiche überraschende Details zum Vorschein kommen. Sondern es werden auch der historische Kontext sowie der theoretische Rahmen für die Untersuchung berücksichtigt. Der Kontakt des Westens mit China wird in diesem Zusammenhang nicht mehr von einer einseitigen Perspektive her beleuchtet. Vielmehr wurde gerade durch die Einarbeitung chinesischsprachiger Literatur eine vielschichtigere Sichtweise gewonnen. Dementsprechend werden nicht allein Leid und Grausamkeit der imperialistischen Invasion dargestellt, sondern auch die multinationale Zusammensetzung der einzelnen Truppen behandelt. Hierbei verschwimmen die vermeidlich klaren Trennlinien zwischen den imperialistischen Aggressoren und dem chinesischen Reich mit seiner Bevölkerung.
Der Verlust an Kulturgütern, und damit an Manifestationen kultureller Identität, mag für das chinesische Reich gewaltig und schmerzhaft gewesen sein. Einige Objekte jedoch, die 1900/1901 aus China entwendet worden waren, tauchen indes heute noch vereinzelt auf dem internationalen Kunstmarkt wieder auf. Die Recherchen nach dem Verbleib der gestohlenen Kulturgüter haben unter anderem zu einer Bronzefigur geführt, die im Jahr 1900 aus China ausgeführt wurde und 2007 im Kunsthandel verkauft wurde.

Till Spurny
Die Plünderung von Kulturgütern in Peking 1900/1901
ISBN 978-3-86573-360-3
113 S. 18,90 EUR. 2008

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