Empirische Studien weisen Schule als den heutzutage bedeutendsten Kontext für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Sozialkontakten unter Kindern und Jugendlichen aus. Daher liegt es nahe, Eigenschaften von Schule im Hinblick auf ihre Folgen für die Sozialkontakte ihrer Schüler zu untersuchen; dies insbesondere, da Eigenschaften von Schulen planbar und veränderbar sind und somit eine Gestaltungsmöglichkeit besteht. Dabei vernachlässigt Schulforschung weitgehend, was mit den schulischen Sozialkontakten nach der Schule geschieht. Diese Arbeit geht der Frage nach, wann aus schulischen Kontakten multiplexe Kontakte werden, unter welchen Bedingungen also ein in der Schule entstandener Kontakt in Freizeitkontexte "exportiert" wird. An einen Überblick an die vorhandene Literatur zum Thema schließt sich eine quantitative Analyse empirischer Daten an. Dabei werden in der deutschen Sozialforschung bisher wenig benutzte Modelle (Hierarchical Generalised Linear Models), die der Mehrebenenstruktur von Schuldaten Rechnung tragen, verwendet, ausführlich erläutert und mit gewöhnlichen Regressionsmodellen verglichen.

Mark Trappmann
Einfluss von Eigenschaften der Schulumgebung auf die Multiplexität der Verkehrskreise von Kindern: eine Mehrebenenanalyse
ISBN 10: 3-936846-52-9
ISBN 13: 978-3-936846-52-2
357 S. 36 EUR. 2003 (Diss.)


1 EINLEITUNG . . . . . 15

2 AUSWIRKUNGEN DER MULTIPLEXITÄT VON BEZIEHUNGEN AUF INDIVIDUUM UND GRUPPE . . . . . 21

2.1 BEDEUTUNG VON GLEICHALTRIGENKONTAKTEN FÜR KINDER UND JUGENDLICHE
2.1.1 Soziale Unterstützung
2.1.2 Soziales Lernen: Gleichheit der Stellung
2.1.3 Peers und Entwicklung
2.1.3.1 Entwicklung des moralischen Urteils
2.1.3.2 Persönlichkeitsentwicklung
2.2 AUSWIRKUNGEN DES AUSMAßES AN MULTIPLEXITÄT AUF INDIVIDUEN
2.2.1 Soziales Kapital
2.2.1.1 Hohe Multiplexität: soziale Verortung und Unterstützung
2.2.1.2 Geringe oder fehlende Multiplexität: Makler im Schnittpunkt sozialer Kreise
2.2.2 Persönlichkeitsentwicklung: kognitive und soziale Kompetenzen
2.2.3 Gefährdung durch Subkulturen
2.2.4 Zusammenfassung
2.3 AUSWIRKUNGEN VON MULTIPLEXITÄT AUF GRUPPEN
2.3.1 Exkurs: Studien zu Unternehmensverflechtungen
2.3.2 Aggregation der auf der Individualebene gewonnenen Ergebnisse
2.3.3 Bedeutung von Multiplexität der Gleichaltrigenkontakte aus der Sicht des Kontexts Schule
2.3.4 Zusammenfassung und Systematisierung

3 SCHULE ALS KONTEXT VON SOZIALKONTAKTEN VON KINDERN UND JUGENDLICHEN . . . . . 55
3.1 GESTALTBARKEIT VON SCHULEIGENSCHAFTEN
3.2 DIE BEDEUTUNG VON SCHULE FÜR DIE SOZIALBEZIEHUNGEN VON KINDERN UND JUGENDLICHEN: STAND DER FORSCHUNG

4 DIE WIRKUNG GLOBALER SCHULEIGENSCHAFTEN AUF DIE SOZIALBEZIEHUNGEN DER SCHÜLER: ÜBERSICHT ÜBER BISHERIGE FORSCHUNGSERGEBNISSE . . . . . 61
4.1 SCHULGRÖßE
4.2 LÄNGE DES SCHULTAGS
4.3 SCHULTYP
4.3.1 Die Sekundarschultypen in Deutschland
4.3.2 Forschungsstand zu Wirkungen des Schultyps auf Sozialbeziehungen von Schülern
4.3.2.1 Gesamtschule versus traditionelles Schulsystem
4.3.2.2 Unterschiede zwischen den Schultypen des traditionellen Schulsystems
4.3.2.3 Bisherige Studien zu den Auswirkungen des Schultyps auf die Multiplexität der Schülerkontakte
4.4 ENTFERNUNG DER WOHNORTE DER SCHÜLER VON DER SCHULE

5 ÜBER DIE HANDLUNGSMOTIVATION DER AKTEURE: DAS ERKLÄRUNGSMODELL . . . . . 83
5.1 VERSCHIEDENE THEORETISCHE ANSÄTZE ZUR ENTSTEHUNG VON FREUNDSCHAFTEN
5.1.1 Rational-Choice-Theorien zur Entstehung von Freundschaften
5.1.2 Die Homophiliehypothese: Die Ähnlichkeit von Ego und Alter determiniert den Nutzen ihrer Beziehung
5.1.3 Orientierung nach oben: Das Prestige von Alter determiniert den Nutzen der Beziehung
5.1.4 Strukturargumente: Die bisherige Struktur des Freundschaftsnetzes determiniert den Nutzen (und die Kosten) weiterer Freundschaften
5.1.5 Die Gelegenheitsstruktur als Determinante von Sozialkontakten
5.1.6 Stufenmodelle für die Entstehung von Freundschaften
5.2 FELDS FOKUSTHEORIE (1981)
5.3 ANWENDUNGEN DER FOKUSTHEORIE AUF UNSERE PROBLEMSTELLUNG
5.4 EIN MODELL FÜR DEN EXPORT VON SOZIALKONTAKTEN AUS DEM KONTEXT SCHULE
5.5 EXPLIZIERUNG DER ZUSAMMENHÄNGE ZWISCHEN EXPORTQUOTE UND MULTIPLEXITÄT
5.6 DIE WEITERE VERWENDUNG DES BEGRIFFES "MULTIPLEXITÄT"

6 HYPOTHESEN ZUR WIRKUNG VON SCHULEIGENSCHAFTEN AUF DIE MULTIPLEXITÄT DER SOZIALKONTAKTE VON SCHÜLERN . . . . . 103
6.1 SCHULGRÖßE
6.2 LÄNGE DES SCHULTAGES
6.3 SCHULTYP
6.4 ENTFERNUNG DER WOHNORTE DER SCHÜLER VON DER SCHULE

7 DATENBASIS UND OPERATIONALISIERUNG DER KONZEPTE . . . . . 115
7.1 BESCHREIBUNG DES DFG-PROJEKTES "BEZIEHUNGSSTRUKTUREN"
7.2 DIE UNABHÄNGIGEN VARIABLEN UND IHRE OPERATIONALISIERUNG
7.2.1 Länge des Schultages
7.2.2 Entfernung der Wohnorte der Schüler von der Schule
7.2.3 Schultyp und Größe der Schule
7.2.3.1 Schultyp
7.2.3.2 Schulgröße
7.3 DIE ABHÄNGIGE VARIABLE UND IHRE OPERATIONALISIERUNG
7.3.1 Die Daten zu den Sozialkontakten im DFG-Projekt
7.3.2 Bildung einer Variablen "Export"
7.4 DEFINITION UND OPERATIONALISIERUNG DER KONTROLLVARIABLEN
7.4.1 Geschlecht
7.4.2 Alter
7.4.3 Nationalität
7.4.4 Sozialstatus
7.4.5 Regionale Herkunft
7.4.6 Anzahl der in der Schule kennen gelernten Schulkontaktpartner
7.4.7 Entfernung der Wohnorte des Befragtem und seiner Kontaktpartner voneinander
7.5 ERSTELLUNG EINES INDEXES FÜR DIE SOZIALE HERKUNFT

8 ZUR ANALYSE HIERARCHISCH STRUKTURIERTER DATEN: VERFAHREN DER MEHREBENENANALYSE . . . . . 141
8.1 MULTIPLE REGRESSION UND LOGIT-MODELL
8.2 DATENSTRUKTUR
8.3 DIE MEHREBENENANALYSE
8.3.1 Das gewöhnliche lineare Regressionsmodell und seine Voraussetzungen
8.3.2 Modellverletzungen durch eine Mehrebenenstruktur
8.3.3 Das random intercept model
8.3.3.1 Das Modell
8.3.3.2 Schätzverfahren beim random intercept model
8.3.3.3 Verallgemeinerungen des Modells
8.3.3.4 Unterschiedliche Zusammenhänge auf unterschiedlichen Ebenen
8.3.3.5 Integration von Gruppenmittelwerten als Variablen auf Aggregatebene
8.3.4 Das random slope model
8.3.5 Random intercept model und random slope model für dichotome abhängige Variablen
8.3.5.1 Zweiebenen-Logit mit random intercept
8.3.5.2 Mehrebenen-Logit mit random slope

9 EMPIRISCHE ÜBERPRÜFUNG DES MODELLS: DAS LOGISTISTISCHE EINEBENEN-REGRESSIONSMODELL . . . . . 177
9.1 DATENBASIS
9.2 VERTEILUNG DER UNABHÄNGIGEN UND DER KONTROLLVARIABLEN
9.2.1 Die Variablen auf Befragtenebene
9.2.1.1 Schuldauer
9.2.1.2 Entfernung der Wohnorte der Schüler von der Schule
9.2.1.3 Geschlecht
9.2.1.4 Alter
9.2.1.5 Sozialstatus
9.2.1.6 Anzahl der in der Schule kennen gelernten Schulkontaktpartner
9.2.2 Die Variablen auf Schulebene
9.2.2.1 Der Schultyp
9.2.2.2 Die Schulgröße
9.2.3 Die Variablen auf Gebietsebene
9.2.3.1 Die Kinderzahl pro Wohngebäude und Jahrgang
9.2.3.2 Der siedlungsstrukturelle Regionstyp nach BfLR
9.2.4 Schlussfolgerungen aus der Untersuchung der Verteilungen
9.2.4.1 Transformation der Variable Kinderzahl pro Wohngebäude und Jahrgang
9.2.4.2 Die Ausreißer in der jüngeren Kohorte
9.3 PAARWEISE ZUSAMMENHÄNGE ZWISCHEN UNABHÄNGIGEN VARIABLEN
9.3.1 Konfundierungen in der jüngeren Kohorte
9.3.2 Konfundierungen in der älteren Kohorte
9.4 KORRELATION EINZELNER UNABHÄNGIGER VARIABLEN MIT DER ABHÄNGIGEN VARIABLE
9.5 DIE LOGISTISCHE REGRESSION ALS EINEBENENMODELL
9.5.1 Die ältere Kohorte
9.5.2 Die jüngere Kohorte
9.5.3 Schlussfolgerungen aus der Einebenenanalyse

10 DIE MEHREBENENANALYSE DER DATEN . . . . . 223
10.1 DAS FÜR DIE DATEN GEEIGNETE MODELL
10.2 UNTERSUCHUNG DER HYPOTHESEN MIT EINEM MEHREBENEMODELL
10.2.1 Varianzzerlegung
10.2.2 Das Mehrebenenmodell für die ältere Kohorte
10.2.2.1 Das random intercept model ohne die Ebene Gebiet
10.2.2.2 Das random intercept model ohne die Ebene Schule
10.2.2.3 Ein Dreiebenenmodell mit Kontexteffekten
10.2.2.4 Das Dreiebenenmodell mit random slopes
10.2.2.5 Modifikation des Basismodells ohne Gebietsebene
10.2.2.6 Fazit aus der Mehrebenenanalyse der älteren Kohorte
10.2.3 Das Mehrebenenmodell für die jüngere Kohorte
10.2.3.1 Dreiebenenmodell für die jüngere Kohorte ohne Ebene Gebiet
10.2.3.2 Residuenanalyse für das Dreiebenenmodell
10.2.3.3 Das Modell ohne ländliche Gebiete
10.2.3.4 Die Berücksichtigung von Kontexteffekten
10.2.3.5 Ein random slope model für die jüngere Kohorte
10.2.3.6 Erklärung des random slopes durch eine cross-level interaction
10.2.3.7 Zusammenfassung der Ergebnisse der Mehrebenenanalyse in der jüngeren Kohorte
10.2.4 Schlussfolgerungen aus der Datenanalyse

11 RESÜMEE UND AUSBLICK . . . . . 279
11.1 UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
11.2 URSACHEN FÜR DIE NICHTBESTÄTIGUNG DER HYPOTHESEN
11.2.1 Möglichkeit 1: Das theoretische Modell ist unzutreffend
11.2.2 Möglichkeit 2: Das Messmodell ist unzutreffend
11.2.2.1 Definition der Grundgesamtheit
11.2.2.2 Interviewereffekte
11.3 ENTWURF EINER STUDIE ZU DEN AUSWIRKUNGEN DER SCHULUMGEBUNG AUF DIE MULTIPLEXITÄT DER VERKEHRS-KREISE DER SCHÜLER
11.3.1 Die Messung der Variable "Export"
11.3.2 Messung der Schulvariablen
11.3.3 Berücksichtigung der Interaktion zwischen Befragteneigenschaften und Kontaktpartnereigenschaften
11.3.4 Konstruktion eines Designs
11.3.5 Resultierendes Design einer zukünftigen Studie
11.3.6 Verbleibende Schwierigkeiten

LITERATUR . . . . . 299

ANHANG . . . . . 315