Sind Bilder Objekte, informative Muster, Verweise auf Reales oder Imaginiertes? Sind sie Zeichen für etwas, das sie repräsentieren oder sind sie frei von Sinn - bis zu dem Augenblick, in dem eine Interaktion zwischen Bildprogramm und den Erfahrungspotentialen eines humanen Interagenten stattfindet? Um diesen Fragenkomplex zu bearbeiten, werden hier zum einen die Beziehungen zwischen Bild und anderen Notationssystemen der menschlichen Intelligenz untersucht. Zum anderen geht der Blick jenseits der auf Rezeption und Interpretation beruhenden Konzepte auf die Prozesse, in denen Bilder hergestellt und verstanden werden. Die produktive wie die rezeptive Auseinandersetzung mit dem Bild kann nicht nur als rational determiniert verstanden werden. Sie unterliegt komplexen Wechselwirkungen zwischen prä- und unterbewussten Prozessen, emotionalen Gewissheiten und nicht zuletzt der körperlich-motorischen Konstitution der agierenden Personen. Somit wird hier ein Standpunkt entwickelt, der davon ausgeht, dass eine vollständige und eindeutige Modellierung dessen, was in der Interaktion mit Bildern präsent wird, nie vollständig und eindeutig in Sprache oder einem anderen regelhaften Ordnungssystem, wie beispielsweise der binären Logik, gelingen kann.
Wäre es möglich, all das, was das Bild ausmacht, was während der produktiven und rezeptiven Auseinandersetzung mit ihm präsent wird, in gleicher oder effektiverer Weise in einem anderem Notationssystem darzustellen, müsste man ein Verschwinden der Bilder feststellen können, da sie in diesem Fall ihre Existenzberechtigung verlieren würden.

Hendrik Wahl
Text über die Bilder?
ISBN 978-3-86573-621-5
228 S. 34,00 EUR. 2011 (Diss.)

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